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Tipp des Monats

Akkordeonspieler von J. Hartmann

Johannes Hartmann steht noch am Anfang seiner Künstlerkarriere. Seit Abschluss seines Studiums der Bildhauerei bei Harald Klingelhöller in Karlsruhe lebt und arbeitet er in München. In der vorliegenden Arbeit treibt Johannes Hartmann den Transformationsprozess als Werkprinzip noch eine Stufe weiter: Nach einem S/W-Vintageprint von Doisneau aus den 50er Jahren modellierte er ein freistehendes Relief aus Ton, das inzwischen wieder zu Staub geworden ist. Was bleibt? Eine lebensgroße Farbfotografie der Installation im Zerfallsprozess und drei Detailaufnahmen dieses Prozesses - eine Arbeit, die das große Potential des jungen Künstlers dokumentiert. Johannes Hartmann wird von der firstlines gallery in München vertreten.

Johannes Hartmann: "Der Akkordeonspieler, Rue Mouffetard, 1951" nach Robert Doisneau, *2012: Edition bestehend aus Lambda-Print auf Alu-Dibond, 150 x 100 cm plus 3 Colour-Prints gerahmt, 42 x 28 cm, Auflage 5+2, insgesamt 1.800 Euro, Quelle: firstlines gallery

Profil:
Johannes Hartmann's Arbeiten gehen im Laufe der Ausstellung ihrem Zerfall entgegen. Am Ende bleibt von ihnen nichts als eine Erinnerung. Bis heute tragen wir an die Kunst und speziell an die Skulptur die Erwartung heran, dass sie unser Leben überdauert. Das macht sie für eine in Stein gemeißelte Kultur oder als generationsübergreifende Kapitalanlage so interessant. In unserer Erwartung schwingt sogar eine magische Beschwörung mit, dass Kunst über den Tod hinaus ins ewige Leben reicht. Diese Erwartungen enttäuscht Hartmann radikal. In seinen Arbeiten kommen wir dem Zerfall näher, als uns lieb sein kann. Instinktiv möchten wir als Betrachter seine Arbeiten vor dem Zerfall retten, als ginge es um unseren eigenen. Gelingt es uns loszulassen?
Für seine erste Ausstellung in der firstlines gallery setzt Hartmann die Arbeiten "Der Akkordeonspieler, Rue Mouffetard, 1951", "Foxterrier auf dem Pont des Arts, 1953" und "Der letzte Walzer des 14. Juli, 1949" des französischen Fotografen Robert Doisneau (*1912) in Tonreliefs um. Wie in seinen vorausgegangenen Arbeiten stellt er Figuren aus den Fotoarbeiten Doiseneus' frei, modelliert sie in Ton und lässt sie in den Galerieräumen miteinander und mit dem Betrachter kommunizieren.
 
Durch die Verwendung dieses sehr zerbrechlichen Materials unterstreicht Hartmann die Komponente der Vergänglichkeit unter Einwirkung von Zeit. Die Figuren werden während der Ausstellungsdauer in scherbenartige Tonstücke zerfallen.